Allgemeines zu den Meditationen

Eine Erwartung, dass Meditation dich ruhig und gelassen macht, ist nicht unbedingt richtig.
Wenn das dein Ziel sein sollte, dann sind einige Atemübungen zu diesem Zweck viel besser geeignet.
Aus meiner Sicht besteht der Sinn der Meditation vorrangig darin, dich selbst zu erkennen. Soll heißen, die neunzig Prozent Unbewusstes zu verringern und die zehn Prozent Bewusstes zu vermehren. Sie soll dich zu dir selbst führen und eventuell sogar darüber hinaus.

Das bedeutet aber, das eine Meditation durchaus aufwühlend sein kann, dass du unruhig wirst. Dir können Dinge bewusst werden, die unangenehm – oder auch überaus angenehm – sein könnten. Beides kann Unruhe, ja sogar körperliches Unwohlsein verursachen.

Daher ist eine Erwartung dass du nur meditieren musst, damit es dir besser geht, völlig ohne jegliche Begründung.

Erst wenn du eine Tiefe und Klarheit in dir selbst erreicht hast, dass nichts, oder nur sehr wenig noch, dein Gemüt erregt, dann ist Meditation in der Regel ein Eintritt in eine tiefe Ruhe und Gelassenheit.

Derselbe Denkfehler besteht in der Annahme, dass Meditation die Leistungsfähigkeit und die Achtsamkeit erhöht.
Stößt du während der Meditation auf verstörende Erkenntnisse, dann benötigt die Verarbeitung Kraft, Aufmerksamkeit und Zeit. Diese stehen dann aber nicht mehr für den Alltag, die Arbeit oder den Sport zur Verfügung. Das wirkt dann jedoch erst einmal in die entgegengesetzte Richtung. Du bist unachtsamer, unruhiger und weniger leistungsfähig im Außen. Also entsteht genau der umgekehrte Effekt!

Die viel interessantere Frage, die sich aus der Suche nach Ruhe und Gelassenheit ergibt, ist folgende: Warum ist mein Leben so ohne Ruhe und Gelassenheit? Können diese Ziele erreicht werden, indem ich mir in einem prall gefüllten Alltag noch zusätzlich Zeit raube um meditieren zu können? Warum suche ich nach mehr, wenn doch weniger eigentlich die Antwort wäre?

Wenn also Meditation mit der Intention zur Steigerung der Leistungsfähigkeit in jeglicher Form benutzt wird, dann verfehlt sie ihren tieferen Sinn. Ja, man kann sie zum Teil dazu einsetzen. Dann bleibt sie jedoch flach und ihres eigentlichen Sinnes beraubt.

Sie wird damit missbraucht, um ein fragwürdiges Menschenbild zu erhalten, statt zu Entwicklung und Bewusstsein zu führen.

Stirb bevor du stirbst!

Wie wahr ist das! Dennoch sträubt sich so vieles in uns diesen Schritt zu tun. Doch gehen wir diesen Weg, dann stellen wir fest, das ein ganz neues, allumfassendes Bewusstsein erlebt werden kann. Ein Bewusstsein, das nicht durch das denken erklärbar aber dennoch erlebbar und sehr real ist. Dabei bemerken wir, das wir schon immer Verbindung zu diesem allumfassenden Bewusstsein hatten.
Meist kleine, dünne Fäden. Intuition, Eingebungen und ähnliches sind einige davon.
In dem Moment wo dieses allumfassende Bewusstsein erlebt wird, setzt das Denken aus und daher kann auch nichts formuliert werden und das «Ich» löst sich auf. Das «Ich» kann keine Distanz zu den Erfahrungen mehr bestimmen, da alles «Ich» und gleichzeitig auch nicht «Ich» ist.
Es wird ersetzt durch eine allumfassende Einheit alles Seins. In diesem Sein ist der einzelne ein Teil, ohne das ein bestimmter Teil bestimmt werden könnte.
Es ist die Einheit alles Seins. Die Schamanen nennen dies den großen Geist, der alles erhält und durchdringt und ein Teil von allem ist.

Die Wahrnehmung ist so nicht mehr möglich. Dennoch ist dieser Zustand des Seins erlebbar und zutiefst berührend, transformierend und liebevoll.

Die Distanz zu allem ist in diesem Zustand nicht mehr vorhanden und eine tiefe Sehnsucht wird erlöst. Das «Ich» das stets von allem getrennt ist, es ist verschwunden und ist ersetzt durch ein Einssein. Ein Gefühl von völliger Einheit und Verbundenheit mit allem wird erlebt.
Dies setzt eine große Transformation in Bewegung, die mit Freude, Liebe und manchmal gewaltiger Energie einhergeht. Gleichzeitig entsteht eine tiefe Ruhe, Toleranz und Gelassenheit, die man so vielleicht gar nicht erwarten würde.
Je länger man in diesem Zustand verweilt, desto eher beginnt man ihn zu verstehen, denn das ist durchaus möglich. Unser normales Bewusstsein kann dies nicht.

Aber wer sagt, das sich das Bewusstsein nicht entwickeln kann!

Aus meiner Sicht gibt es nicht zwei, oder mehrere Bewusstseinszustände, sondern nur einen.

Dieser kann sich erweitern und entwickeln, insbesondere dann, wenn das «Ich» sich verändert, sich auflöst. Die Erzählung von zwei oder mehreren Zuständen des Bewusstseins fußt in der Getrenntheit (niederes Bewusstsein gegen Höheres) und den Bewertungen die damit einhergehen. Wenn es aber nur ein Bewusstsein gibt, dann ist auch klar, das jeder Mensch an diesem Bewusstsein teilhat. Nicht nur die Menschen, die über ein «höheres» Bewusstsein verfügen.
Doch die Entwicklung, das Erwachsen werden des Bewusstseins, fühlt sich wirklich wie ein Sterben an. Daher ist die Hürde für viele Menschen sehr hoch und voller Ängste und doch in jedem Fall erstrebenswert.

Durch diese Entwicklung verändert und erweitert sich die Wahrnehmung eklatant. Sie wird gleichfalls befreit von Bewertungen und Maßstäben. Das allerdings überfordert nur allzu häufig unser Denken, das dies auch erst einmal lernen und akzeptieren muss.

Ich erlebe, das immer mehr Menschen sich danach sehnen dieses „neue Bewusstsein“ zu erfahren und dies über die verschiedensten Herangehensweisen versuchen. Auch die traditionellen Wege mit und ohne Substanzen, sowie einige neue werden dazu genutzt. Diese können sehr hilfreich dabei sein, die Tore zu diesen Erlebnissen zu öffnen. Die Verarbeitung dieser Entwicklung jedoch muss jeder für sich bewältigen. Daher ist es sinnvoll sich genügend Zeit zur Integration des Erlebten zu geben. Nicht umsonst ist der Gebrauch dieser Techniken und Substanzen traditionell in hilfreiche Rituale und Meditationen gebettet.

Diese gestatten es diese Erfahrungen in geschützter Umgebung und mit erfahrener Betreuung zu machen, denn jeder der diesen Weg geht erlebt eine Zeit von vielfältigen Überraschungen!

Jegliche Wahrnehmung erfolgt immer von uns selbst aus. Das heißt, das das was wir «Ich» nennen immer im Zentrum dieser Perspektive steht. Eine andere Konstellation kennen wir nicht und können sie per se auch gar nicht einnehmen.
Jede Wahrnehmung erfolgt also aus dem «Ich» heraus und wird daher als Differenz oder Entfernung zum «Ich» bestimmt. Der Unterschied – die Distanz, so könnte man sagen – ist somit die Wahrnehmung.
Sie bestimmt damit auch die Position des «Ich» relativ zu allen Wahrnehmungen, nämlich so, dass sich das «Ich» immer im Zentrum aller Wahrnehmungen befindet.

Das Bewusstsein wiederum hängt direkt von den Wahrnehmungen des «Ichs» ab, es ist die Summe aller dieser Wahrnehmungen, verarbeitet durch das Denken. Etwas das nicht wahrgenommen wird, wird auch nicht in das Bewusstsein integriert. Erst die Wahrnehmung erweitert das Bewusstsein. Jedoch ist das «Ich» keineswegs neutral. Vielmehr nimmt es einige Dinge wahr, andere jedoch nicht. Warum es einiges wahrnimmt und anderes nicht, dafür gibt es sehr viele verschiedene Gründe. Diese aufzuführen wäre eine sehr lange Liste.
Wichtig ist jedoch, dass das «Ich» keine einhundert prozentige Wahrnehmung erreicht und auch nie erreichen kann. Achtsamkeit kann diesen Vorgang der Wahrnehmung erheblich erweitern, aber auch niemals vollständig machen.

Damit geht aber eben auch eine Beschränkung des Bewusstsein einher. Was das «Ich» nicht wahrnimmt, kann prinzipiell auch nicht in das eigene Bewusstsein integriert werden.
Das Denken formt unser Bewusstsein und grenzt es ein. Es ist notwendig, um die Distanz des «Ich» vom Wahrgenommenen zu bestimmen und es einzuordnen.
Daher ist das Bewusstsein in dieser Form für jedes «Ich» durch die Wahrnehmung und das Denken beschränkt. Es ist dadurch auch von allem Wahrgenommen abhängig und zugleich getrennt, denn es ist ja gerade die Distanz zum «Ich», welche die Wahrnehmung ermöglicht.

Doch was ist mit Erfahrungen, die ganz anders sind? Mit Nahtoderfahrungen oder Erlebnisse, die durch tiefe Meditation, Trancen oder auch durch Schock ausgelöst werden können?

Sie belegen, das es ein Bewusstsein gibt, welches außerhalb unseres normalen «Ichs» existiert und sogar ohne Körperlichkeit bestand hat.


Aus meinen Erfahrungen heraus kann ich schildern, dass es ein Bewusstsein über das alltägliche, gewohnte Bewusstsein hinaus gibt. Es ist nur nicht durch unser Alltagsbewusstsein zu erreichen. Vielmehr ist es eine Erfahrung des Einsseins und der Auflösung des «Ichs» und eine Verschmelzung mit einfach allem.
Die Schwierigkeit liegt darin, dass die meisten Menschen diese Erfahrung nur kurz machen, denn dann setzt das Denken ein und versucht diese Wahrnehmung auf die Position zum «Ich» zu bestimmen. Damit ist die Erfahrung dieses erweiterten Zustandes des Bewusstseins auch schon beendet. Das Denken holt uns daraus heraus und wirft uns in unsere alte Begrenztheit zurück.
Um diese Erfahrung lang anhaltend oder dauerhaft zu machen ist ein Prozess notwendig, den die meisten Menschen scheuen. Es ist eine Art von Sterbeprozess. Die «Ichheit», die uns das ganze Leben begleitet hat muss dazu sterben. Die Sufis haben dazu eine ganz klare Anweisung:

Stirb bevor du stirbst!

Ende des ersten Teils, in Kürze folgt Teil zwei – stay tuned

Heute möchte ich euch einen Beitrag ans Herz legen, den ich nicht selber geschrieben habe. Dennoch finde ich ihn so gut und treffend, dass er unbedingt von euch gelesen werden sollte.
Ich hätte ihn wohl kaum besser schreiben können und er deckt einen großen Bogen an Erfahrungen ab, die ich selber gemacht habe. Mal von der einen Seite, mal von der Anderen.
Er ist etwas lang, aber sehr lohnenswert für alle Sucher und alle Finder!
Und auch noch voller Humor und Selbstironie – welch seltene Kombination auf diesem Gebiet.
Hier ist der link:

https://mariananda.de/wordpress/die-dunkle-nacht/

Ich wünsche euch viel Tiefe, Freude, Erkenntnis und Liebe beim Lesen.

Der Weg der Liebe besteht darin, sich selbst zu erkennen.
Sich selbst zu erkennen führt dazu sich selbst zu vergessen.
Sich selbst zu vergessen, führt wiederum dazu, sich in einfach allem wiederzufinden.

Einst war ich ein Fluss. Mal ruhig und mal tosend und so floss ich dahin.

Und als ich den Ozean erwartete, da fand ich dich.
Du gleißendes Licht, du Alpha und du Omega. Du, der du warst schon vor der Zeit und auch danach noch sein wirst.

Bei deinem Anblick brach etwas aus mir heraus und ich begann zu lieben – einzig dich zu lieben.
Du erwidertest die Liebe vielfach und allumfassend, da hörte ich auf zu sein.

Und als ich erwachte, da war ich alles und auch nichts. Ich hatte keine Grenze und kein Sein, einzig erfüllt von Liebe und vom Licht – ewig fließend.

So bin ich also und auch nicht, erfüllt von Schönheit und vom Klang der Schöpfung, mich wiegend im ewigen Rhythmus allen Lebens selbst.
Liebe und Bewusstsein, ohne Anfang und ohne Ende – ohne jede Ursache und Begründung.

Eine Vision während der Meditation:

Am Anfang war die Liebe. Sie war einzig und allein – wie ein sanftes Meer der Unendlichkeit. Wie endlose sanfte alles erfüllende und durchdringende Schwingungen.

In diesem Meer trafen sich einige kleine Wellen und wurden zu einer großen Welle, einer starken Schwingung.

Diese erhob sich weiter aus dem Meer und sehnte sich doch wieder zurück. Sie wollte geliebt werden.

Der Geliebte war geboren.

Im Spiegel des Meeres nahm es sein Spiegelbild wahr und erkannte den Liebenden darin.

Die Dualität war geboren.

Und so ist es gegeben: Eine Trinität – die Liebe – der Geliebte – der Liebende.

Dennoch kann es nie eine Vereinigung geben, denn es gab nie eine Trennung!

Die Getrenntheit ist eine Illusion – ein Spiegel.

Und wie es im Meer für eine Welle gilt, so gilt das auch für den Liebenden und den Geliebten:

Jede Welle ist das Meer und fließt dorthin wieder zurück, denn:

Eine Trennung hat es nie gegeben!

So suchen wir den Geliebten und sobald wir Ihm näher kommen, erweckt dies die Liebe in uns. Diese Liebe ist das Band, über das wir Ihn dann letztlich finden.

Doch was wir finden, das sind dann wieder wir selbst – nur befreit von der Trennung.

Erkenne – eine Trennung gibt es nicht!

Als Individuen in unserer modernen Gesellschaft haben wir sehr hohe Erwartungen an unsere Selbstwirksamkeit. Einfacher gesagt: Wenn wir etwas erreichen wollen, dann gehen wir das an und gehen davon aus, das wir es auch erreichen. Wenn etwas «falsch» läuft, unseren Erwartungen nicht entspricht, dann ändern wir das eben, damit es «richtig» läuft. Wenn es dann noch immer nicht läuft, dann ist etwas mit mir oder der Welt scheinbar nicht in Ordnung.
Zur Zeit wird diese Vorstellung durch die multimedialen Kanäle die uns seit geraumer Zeit zur Verfügung stehen extrem verstärkt. In Hochglanz Beiträgen erzählt man uns, natürlich durch super aussehende und erfolgreiche Influenzer, wie die perfekte Selbstoptimierung und Selbstwirksamkeit funktioniert und wie viel Erfolg und Wirksamkeit damit zu erwarten ist. Sie liefern auch noch genaue Anleitungen und Techniken zur Manifestation des gewünschten mit. Schön und gut.
Doch genau diese Erfahrungen machen sehr viele Menschen eben gerade nicht! Vielmehr wird oft Ohnmacht, Perspektivlosigkeit und Hilflosigkeit erfahren. Momentan scheint nur noch wenig sicher oder planbar zu sein. Das war noch vor 2 Generationen anders.
Es schleicht sich bei den vielen vergeblichen Versuchen das gewünschte Ziel zu manifestieren langsam ein Gefühl der Ohnmacht und Sinnlosigkeit und auch der eigenen Unfähigkeit oder Minderwertigkeit ein.
Man sieht doch die vielen Menschen im Internet, die mit diesen Methoden des Wünschens oder der Manifestation erfolgreich sind – warum gelingt mir das also nicht?

Was ist mit mir falsch, das das einfach nicht funktionieren will, selbst nachdem ich einen Powerworkshop für € 2500,- mitgemacht habe. Muss ich einfach noch mehr Workshops besuchen? Welche Technik beherrsche ich da nicht?
Wenn ich das betrachte, dann sehe ich, das wir leider immer noch schwach darin sind, die Natur unserer Gedanken und unseres Geistes zu durchdringen, zu erkennen.

Wir lernen in unserem Leben den Körper zu heilen und auch unser Herz zu heilen. Verletzungen des Körpers oder des Herzens können durch Achtsamkeit vermieden, verringert oder, falls sie dennoch geschehen, geheilt werden. Darin sind wir in unserer heutigen Gesellschaft inzwischen deutlich besser geworden. Achtsamkeit führt auch dazu, das wir Rhythmen wieder wahrnehmen. Die in uns und auch die außerhalb von uns. Durch eine geschulte Achtsamkeit erlernen wir unsere Bedürfnisse, unsere Gefühle und auch unsere Intuition zu beachten, zu integrieren und uns zu Nutze zu machen.

Doch während einer Meditation können die meisten von uns beobachten, wie Gedanken durch unseren Geist ziehen, wie sie sich scheinbar völlig unserer Kontrolle entziehen und einfach machen was sie wollen. Wir treiben in solchen Zeiten oft in einem Meer aus Erinnerungen, Erwartungen, Beurteilungen, Versäumnissen, Bedauern, Befürchtungen was die Zukunft betrifft und so weiter. Scheinbar sind wir diesem Chaos hilflos ausgeliefert. Wir können dort alles finden: von den heiligsten Gedanken bis zu den tiefsten Abgründen des Denkens. Wir finden dort den Heiligen, den Selbstlosen, den Liebenden aber auch den Diktator, den Mörder, den Egoisten. Wir machen dort Pläne zur Weltrettung und zu ihrem Untergang.
Kurzum es findet sich dort Licht und Dunkelheit zugleich. Und alles entzieht sich unserer Kontrolle.
Es ist ein Bereich in uns der von ständiger Unzufriedenheit geprägt ist. Wir wollen einerseits das Eine und andererseits das Andere. Wir wollen endlosen Frieden und dann doch auch Spaß, Vergnügen, Spannung und Action. Wir wollen einerseits allein sein und doch nicht allein sein. Wir wollen führen und dann doch geführt werden. Kurzum eine ständige Zerrissenheit, die sich nicht so leicht auflösen lässt.
Dies führt oft dazu, das wir anstatt etwas in aller Ruhe und bis zu seinem Ende durch zu denken durch viele teils bewusste, teils unbewusste Prozesse getrieben werden, an statt in uns zu ruhen.
Gleichzeitig treiben uns Erinnerungen an unsere Erfolge oder Misserfolge von einem Gedanken zum nächsten.
Diese dualistische Natur der Gedanken ist eine Wurzel unseres Leids. Solange wir uns als Individuum, als getrennt von allem Anderen (in unseren Gedanken) erfahren, solange bleiben wir defensiv, angsterfüllt, vorurteilsvoll, zwiegespalten und stark territorial abgrenzend. Wir neigen dadurch auch dazu uns mit Dingen, mit unserem Besitz oder auch unserem Beruf zu identifizieren, aber nicht mit uns selbst.
Bei meinen Erfahrungen mit längeren Meditationen gepaart mit tagelangem Schweigen habe ich erfahren, wie verunsichert ich plötzlich war als ich all das erfahren und erleben musste. Gepaart mit der Erkenntnis das ich nicht die geringste Ahnung davon hatte wer ich wirklich war und wie ich da jemals wieder herauskommen sollte, hatte ich einfach nur Angst. Angst den Boden unter den Füßen zu verlieren, Angst nicht mehr zu wissen wer ich bin, oder was ich bin. Gleichzeitig entstanden Gefühle von Sinnlosigkeit und extremer Hilflosigkeit. Ich erfuhr, das meine Sicherheit in der ich bis dahin lebte nur Trug war. Mich diesen Gefühlen und Erkenntnissen zu stellen war aber auch gleichzeitig der Beginn einer wunderbaren Heilung – des Geistes.
Zum einen habe ich erkannt, das ich meine Gedanken mit mehr Achtsamkeit begegnen muss. Ich muss sie mehr lenken und zwar in eine konstruktive und liebevollere Richtung. Ich begann die Dinge immer mehr von allen Seiten zu betrachten, zu durchdenken. Dabei entwickelte ich etwas, das ich natürlichen Respekt genannt habe. Das meint, das ich nach und nach erkannte das alles um uns herum und in uns sinnerfüllt ist und nichts ohne Sinn ist – auch wenn dieser mir manchmal lange verborgen bleibt.
Dadurch verschob sich meine gesamte Werteskala immer weiter, bis sie sich nach und nach auflöste.
Das fühlte sich anfangs gefährlich an, entpuppte sich aber später als eine der größten Freiheiten meines neuen Lebens.
Bei diesen Veränderungen halfen mir bestimmte Meditationen und auch Mantren, die ich immer in jeder Situation des Alltags nutzen konnte.
Dennoch scheinen die Gedanken irgendwie ein Eigenleben zu besitzen. Egal wie oft ich korrigierend eingriff und wie weit ich schon gekommen war, immer wieder geschah es, das die Gedanken ihre eigenen, oft destruktiven Wege gingen bevor ich es bemerkte. Es schien ein völlig aussichtsloser Weg zu sein.
Bis ich eines begriff: Ich bin nicht was ich denke! Aber ich kann zu dem werden was ich denke – und darin liegt die Gefahr meines Denkens.
In dem Moment in dem ich mich von meinen Gedanken distanzierte, eine Schritt zurück ging, sie mit Distanz betrachtete, hatten die Gedanken ihre Wirksamkeit auf mich eingebüßt. Gleichzeitig begann etwas in mir zu wachsen das mich glücklich machte. Das Gefühl nicht mehr getrennt zu sein! Das Gefühl einer Einheit mit einfach allem was ist. Daraus wiederum erwuchs eine Geborgenheit und Sicherheit, die mich erleben lässt das alles was ist, genau so ist, wie es sein soll – das ich so bin wie ich sein soll! Kein Grund zu Kritik, keine Angst vor Versagen, keine Angst nicht geliebt zu werden.
Mein Herz begann sich stärker zu aktivieren als es jemals der Fall war und ich fühlte mein Zentrum, mein Sein im Zentrum meines Herzens. Ich erkannte fortan etwas in allem, das ich die Wesens Essenz genannt habe. Alles um mich herum besitzt diese Essenz. Bei den meisten Menschen ist sie aber leider verborgen, teils bewusst und teils offensichtlich unbewusst. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, das die Menschen sehr extrem reagieren können, wenn sie erkennen oder nur befürchten, das jemand ihre Wesens Essenz wahrnehmen könnte. Ich lernte das einfach in seiner Schönheit zu betrachten, es aber nicht unbedingt mitzuteilen.
Nun darf man sich nicht vorstellen, das dies das Ende sei. Es ist ein Anfang – Rückfälle kürzerer Art oder längere durchaus eingeschlossen. Doch als ich erst einmal diesen Mechanismus verstanden und verinnerlicht hatte, konnte ich frei wechseln. Geschah einmal ein Rückfall konnte ich kurzerhand wieder zurück. Zurück in einen Stillen mit Liebe erfüllten Geist, der mir Kraft und Richtung gibt.

Durch diese Art zu leben wurde mir dann auch klar warum das „große Ding“ mit der Manifestation, dem Wünschen und der Selbstwirksamkeit nur in einem eingeschränkten Maße funktioniert.
Die meisten Dinge die geschehen, ob sie mir gefallen oder nicht, liegen gar nicht in meiner Verantwortung, ob mir das nun gefällt oder auch nicht. Was aber nicht in meiner Verantwortung liegt, das kann ich auch nicht ändern, egal wie intensiv ich es wünsche oder versuche zu manifestieren. Die meisten Dinge die um mich herum geschehen haben nur wenig oder gar nichts mit mir zu tun.
Hier liegt eine Arroganz und Egozentrierung des Denkens vor, die mit der Wirklichkeit, wie ich sie erlebe wenig zu tun hat. Ich meine, das wir die buddhistische Lehre der Demut sehr dringend nötig hätten. Denn im buddhistischen Sinne Demut lehrt uns, genau den Platz in der Einheit, im Sein einzunehmen der uns zusteht.
Was an dieser neuen Art zu leben für mich völlig begeisternd ist: es macht mir nichts aus etwas nicht ändern zu können! Ich erlebe mich dennoch nicht hilflos oder ausgeliefert, sondern eingebettet und geborgen. Ganz aus mir selbst heraus. Ich kann heute sehr viel besser unterscheiden, was meine Verantwortung ist und was nicht und dem entsprechend zu fühlen, zu denken, zu sprechen und zu handeln.
Ein anderer Aspekt der sich mir daraus erschließt, ist die unglaubliche kreative Kraft die in unserem Denken, in unserem Geist liegt. Meist liegt sie unbenutzt brach oder wird dazu unbewusst missbraucht sich in der Getrenntheit zu belassen.
Ich denke oft daran, was alles möglich wäre wenn eine genügend große Anzahl von Menschen aus dieser Art zu sein, zu denken austreten würde und ihre Gedanken und ihren Geist in eine andere Richtung lenken würden, welche Einheit, Respekt, Gleichberechtigung und Liebe zu allem was da ist, als Zentrale Ankerpunkte des Seins machen würden!
Ich freue mich schon mal darauf.

Heilpraktiker und Meditation in Ammersbek Hoisbüttel